Mittlerweile bin ich nach einer knappen Woche Deutschland nun schon wieder seit 26. August in Kopenhagen und befinde mich bereits in der dritten Semesterwoche. Höchste Zeit also von meinen ersten Eindrücken an meiner Gastuniversität für das Wintersemester 2010/2011 zu berichten:
Das Gebäude
Um ehrlich zu sein, war ich schon von Äußeren der ITU sehr beeindruckt. Das Gebäude ist ein komplett verglaster moderner Klotz und Besucher werden von einem gigantischen Banner in den digitalen Welten begrüßt. Mit seinem Erscheinungsbild fügt sich die ITU sehr gut in die ebenfalls sehr moderne Umgebung ein. Neben einer Zweigstelle der Universität Kopenhagen befinden sich auch das Dänische Radio (DR), ein Konzerthaus und das Tietgenskollegiet, ein architektonisch interessantes Studentenwohnheim, in nächster Nähe.
Wenn man die ITU durch die automatische Drehtüre am Haupteingang betritt, gelangt man ins Atrium, dem Herzstück der ITU. Rund um das Atrium befinden sich auf drei Stöcke verteilt Arbeitsplätze, Konferenzräume, Auditorien und Computerpools. Der oberste Stock wird ausschließlich von Firmen genutzt.
Neben Treppen stehen auch vier Aufzüge zur Verfügung, die auch das Studieren mit Behinderung ermöglichen. Als einzigsten, nicht behindertengerechten Raum ist mir bisher nur das Café Analog aufgefallen, das sich quasi unter dem Hauptauditorium im Erdgeschoss befindet.
Ausstattung
Auch die Ausstattung der ITU lässt sich nicht lumpen. Neben einem Ruheraum für ungestörtes Studieren, stehen diverse Computerpools und Arbeitsplätze auf den Balkonen der verschiedenen Stöcken zu Verfügung. Jeder zweite Tisch ist hier mit einem Desktoprechner ausgestattet und für den eigenen Laptop stehen ausreichend Steckdosen zur Verfügung. Die weit in das Atrium reinragenden Konferenzräume können bei Bedarf für Gruppenarbeiten gebucht werden. Im Erdgeschoss befindet sich die Druckerei, die für aufwändige Drucksachen (Plotter etc.) und zum Scannen konsultiert werden muss. Ansonsten befinden sich auf jedem Stock ein Kopier- / Druckerraum und Hilfsmittel wie Locher und Hefter. Was mich im Vergleich zur HdM wirklich glücklich stimmt, ist, dass man seine Druckaufträge an jedem Drucker an der ITU abrufen kann. Jeder Vollzeitstudent bekommt zudem ein Druckbudget von fast 90 EUR, während ein Austauschstudent immerhin gut 20 EUR auf seiner Studentenkarte gutgeschrieben bekommt.
Die Bibliothek an der ITU ist sehr klein ausgefallen, man kann jedoch Bücher von anderen Universitäten beziehen und dort abholen. Wenn ein bestimmtes Buch aus dem Inventar von mehr als zwei Studenten vorgemerkt wird, kauft die ITU zusätzliche Exemplare. Der Zugang zu mehreren Archiven mit wissenschaftlichen Dokumenten ist aus dem Netzwerk der ITU möglich.
Für das leibliche Wohl und zur Stimmungsförderung unter den Studenten gibt es neben der Cantine “eatIT” auch das Café Analog, was allerdings immer erst nachmittags seinen köstlichen Kaffee anbietet und die Scrollbar, die jeden Freitag ihre Pforten öffnet und die für dänische Verhältnisse zu sehr fairen Preisen alkoholische Getränke anbietet.
Das Gamelab wird nicht ausschließlich für Vorlesungen der Computerspiel-Studiengänge genutzt, sondern kann auch so zum Zocken aufgesucht werden. Eine PS3 mitsamt bequemer Sitzecke befindet sich direkt vor dem Gamelab im Atrium und wird ebenfalls gern von den Studenten der ITU genutzt. Wer eher das Analoge bevorzugt, kann sich an den Kickertischen, der Tischtennisplatte (beides kostenlos) oder im Fitnessraum (80 EUR / Semester) austoben.
Wer mit dem Fahrrad zur ITU fährt, kann direkt in den Keller fahren und dort seinen Drahtesel im dafür vorgesehenen Keller abstellen. Von dort aus lässt sich die ITU mit dem Aufzug oder den Treppen betreten.
Von mir belegte Fächer
Von den ursprünglich geplanten drei Fächern, mache ich nun doch nur zwei, da ich mit Dänisch weitermachen möchte. Zwar ist auch nicht klar, ob und wann das klappt, da ich immernoch auf meine Aufenthaltsgenehmigung warte, das Fach “Interactive Multimedia” wollte ich jedoch auf keinen Fall mehr belegen, da neben ein bisschen Flash, auch Dinge wie Photoshop gelehrt werden und ich diese Basics nicht mehr benötige.
Das Fach Model Driven Development aus dem Master-Studiengang “Software Development & Technology”, welcher übrigens komplett auf Englisch ist und daher auch von vielen ausländischen Studenten besucht wird, findet immer montags von 14 – 18 Uhr statt. Nach zwei Studenten Vorlesung sind die letzten zwei Stunden für Übungen eingeplant. Die beiden Dozenten Steen und Tonny stammen nehmen ihre Lehrstelle nur nebenberuflich wahr und sind beide in der Industrie tätig. Die Vorlesung stützt sich auf das Buch “Model-Driven Software Development” von Thomas Stahl und Markus Völter und muss von jedem Studenten besorgt werden, da die Bibliothek bis dato nur ein Exemplar bereithält. Auf die Inhalte möchte ich gar nicht weiter eingehen, es sei jedoch gesagt, dass sich die Vorlesung nicht unbedingt an diejenigen richtet, die tausende Zeilen von Code schreiben wollen. Viel wichtiger ist es den Dozenten zu zeigen, was man sich mit Hilfe von Modellen an Arbeit ersparen kann. Für die Übungen am Rechner wird Eclipse genutzt, oft ist aber auch gar kein Laptop nötig. Die Vorlesung gibt insgesamt 7,5 ECTS und schließt mit einem mündlichen Examen und einem kleinen Bericht ab, der bis 8.12. abgegeben werden muss.
Mein zweites Fach Usabilty and Accessability vom Studiengang “Digital Design & Communication”, der nur einige Vorlesungen auf Englisch anbietet und daher weitestgehend von Dänen besucht wird, füllt vom Arbeitsaufwand ein halbes Semester (15 ECTS) aus. Zweimal die Woche (dienstags und freitags) findet die Veranstaltung daher von 11 – 16 Uhr statt. Während dienstags die ersten zwei Stunden der Theorie gewidmet und die anschließenden für Übungen werden, stehen freitags die Gruppenprojekte auf dem Programm. Zu Beginn der Vorlesung wurden drei Gruppen à 4-5 Personen gebildet, die innerhalb von zwei Wochen eine Website mit eingeschränktem Umfang aufziehen mussten. Während des Semesters soll die Website auf Basis des Gelernten hinsichtlich der Usability und Accessability verbessert werden. Neben wöchentlichen Aufgaben sind zum Bestehen des Kurses ebenfalls ein individuelles, mündliches Examen und ein Abschlussbericht nötig.
Einen vollständigen Plan aller englischsprachigen Kurse an der ITU im Wintersemester 2010/2011 kann unter folgendem Link eingesehen werden:
Englischsprachige Kurse an ITU im Wintersemester 2010/2011
Mitstudenten
Meine Master-Mitstudenten, die mit mir dieses Semester an der ITU angefangen haben, kommen zur Hälfte aus Dänemark, zur anderen Hälfte aus den verschiedensten Ländern Europas. Einen großen Teil der Internationalen machen Rumänen, Italiener und Spanier aus. Vereinzelt gibt es Engländer, Österreicher, Holländer, Deutsche und Griechen. Die Meisten wollen ihr komplettes Masterstudium hier machen. Studenten, die nur für ein Semester hier sind, gibt es eher wenige. Einige davon schreiben lediglich ihre Masterthesis an der ITU und nehmen nicht an den regulären Vorlesungen teil.
Rahmenprogramm
Neben einem Einführungsprogramm des Studiengangs, das unter anderem ein kleines Projekt zum gegenseitigen Kennenlernen während der Einführungswoche und eine Hausführung umfasste (natürlich immer mit Verköstigung), wurden auch vom International Office einige Sachen organisiert. Neben einem Welcome Dinner und einem Vortrag zum Leben in Dänemark, gab es auch schon eine Willkommensparty in der Scrollbar. Auf Grund der großen Nachfrage wird es nun auch einen Dänisch-Anfängerkurs geben.
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